Zahnarztbesuch

Ich gebe zu, ich schlief nicht gut.
Was fehlte? – Na, ein wenig Mut.
Ich bin zwar groß und dick und froh…
Doch innen Kind – nun schaut nicht so.

Es sprach Frau Zahnarzt: <<Bitte sehr,
am Montag kommst du wieder her,
dann wird es – klingt das auch nicht fein,
Schluss mit froh und lustig sein.>>

Da ich – na klar – recht folgsam bin,
kam Widerspruch mir nicht in Sinn.
Jetzt sitze ich verängstigt hier.
Oh weh, wie blümerant wird mir.

Niemand da, der´s Händchen hält,
es wird so klein, so schmal die Welt,
reduziert sich geradezu,
auf einen Stuhl – hier sitz ich nu.

Vor mir blinkt schon das Besteck,
ich träume mich jetzt gerade weg,
in den Urlaub – Sonne, Meer,
und den Strand – gibt´s hinterher.

Frau Doktor und ihr Personal,
scheint lieb und nett – der Grad ist schmal,
auf dem ich mich bewegen muss.
Ja, ja, das ist mir schon bewusst.

Als sie den Stuhl nach hinten fährt,
wird die Flucht spontan erschwert.
Ich gelobe Tapferkeit…
Den Mund weit auf? – Ich bin bereit.

Zwischen Zahnfleisch Lippe Watte,
das Leben das ich einstmals hatte,
war wirklich Klasse, wunderschön.
Jetzt geht es los - …ich möchte gehen.

Der Bohrer singt sein hohes Lied,
ich weiß nicht recht, wie mir geschieht.
Denn ich erkenne just und plötzlich:
Es ist ja gar nicht so entsetzlich.

Ich verlasse – wow, erhebend,
diesen Stuhl, die Praxis lebend.
Wieder mal die halbe Nacht,
den Kopf mir ganz umsonst gemacht.

Auch wenn die Schnüss ein wenig taub,
war´s nicht so schlimm, wie ich geglaubt.
Wie die Liebste lacht und spricht,
stirbt ein Mann beim Zahnarzt nicht.

Ein wenig dichten, etwas reimen,
hilft tatsächlich – will´s mir scheinen.
Frau Dr. Schmitz – hier bin ich jetzt.
Angst vorm Zahnarzt? – Überschätzt.   29.08.2016
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Franzosen

Sie spielten lange, die Franzosen,
als seien sie recht voll – die Hosen,
bis… - so war es, in der Tat,
die Pause – die zur Halbzeit naht.

Da dachte sich der gute Schweini,
nicht nur „Herr Nachbar“ sei ein Heini,
nein, wie allen jetzt bekannt,
hat auch Schweini – eine Hand.

Kurzentschlossen – dieser Griff.
Unversehens – dieser Pfiff.
Und plötzlich schwappt blau-weißes Glück.
Deutschlang lag Null-Eins zurück.

Ohne Stürmer im Gewühle,
gewinnst du letztlich keine Spiele.
Auch wer sich Chance um Chance erspielt,
verliert, wenn er besch…. zielt.

Götze kam – oh, sagt mir why,
Poldi war doch auch dabei.
Der Versuch wär´s wert gewesen…
Ist schon gut… - nur meine Thesen.

Gegen Schluss die Fehlerketten,
plötzlich war´s nicht mehr zu retten,
es stand – die Zeit, sie ging vorbei,
bis zum Schlusspfiff 0 zu 2.

Wer Sonntag das Finale mag,
der schaue zu – ich nutz den Tag,
um mir Fußballfrei zu nehmen.
Muss ich mich deswegen schämen?

So freue ich mich jetzt schon wieder,
auf August – die Bundesliga.
Das Finale zu erleben,
war uns leider nicht gegeben.

Ob der Schiri gut, ob schlecht,
ist mir egal – er hatte Recht,
als er diesen Strafstoß pfiff.
Da nutzt nicht Galle – auch nicht Gift.

Schon sehr bald – in knapp 2 Jahren,
können wir gen Russland fahren.
Die WM – oh ja, ich spür,
ich freue mich auf das Turnier.

Ob Frankreich oder Portugal,
der Meister wird – ist mir egal.
Denn Deutschland fährt – das soll wohl sein,
in Kürze nun geschlossen heim.

Die Aufregung, sie hat ein Ende.
Kein Herzkasper, verschwitzte Hände.
Kein Baldrian, kein Valium.
Erkenntnis bleibt – es lief halt dumm.    08.07.2016
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Ich könnte mich wie 20 fühlen

Ich könnte mich wie 20 fühlen,
weit vorne im Ensemble spielen,
wenn ich nicht - der Punkt macht's schwer,
ein Fan der Sportart Fußball wär.

Solch ein Spiel wie gestern sehen,
dabei kurz vorm Infarkt zu stehen,
ist der Gesundheit kaum erträglich.
Ich leide mit - und zwar unsäglich.

Die Hände zittern - Leute, glaubt,
nach dem Match gleich Espenlaub.
Wer da noch einen Mixer braucht,
für den Cocktail - ...kennt Ihr's auch?

Entscheidung im Elfmeterschießen,
wenn Angstschweiß und die Tränen fließen...,
das schaffen meine Nerven nicht.
Ich übe besser bald Verzicht.

Hectors feiner Zuckerpass,
Özil traf - das war doch was.
Hätt Boateng nicht nachgefühlt,
und im Strafraum Hand gespielt.

Es kam, es ging - noch bin ich jung,
entsetzlich... - die Verlängerung.
Doch ahnte ich schon - ich tu's kund:
Infarktspiel am Elfmeterpunkt.

Ich saß stark bebend am TV,
vergaß das Kind, den Hund, die Frau,
ich wäre gerne - ungelogen,
hinein in das Gerät gezogen.

Die Hände nass und voller Schweiß,
der Herzschlag schnell - die Stirne heiß,
und weit und breit kein Baldrian.
Was hab ich mir nur angetan?

Der eine trifft, der andere nicht,
steter Wechsel - Schatten, Licht.
Immerzu dasselbe Lied:
Himmelhoch - und tief betrübt.

Müller, Schweini, Özil auch,
verschießen - mir wird flau im Bauch.
Neuer hat's auf Null gestellt,
dann kommt Hector - oh, mein Held.

Nimmt sich den Ball - schaut konzentriert,
schießt und trifft - und Deutschland führt.
Schickt Italien endlich heim,
so herrlich, so kann Fußball sein.

Dass ich nun Jahre älter bin,
als vor dem Match - das nehm ich hin.
Und beim Finale - Müs, verzeih,
wär ich - samt Deutschland - gern dabei.   03.07.2016
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