Lesung im SaugStauber

Leipzig liest! - Ich war dabei.
Alles ist für mich so neu,
und dann kam dieses Angebot.
Ich sagte zu - ich war im Boot.

Gestern Abend, kurz vor 7,
bin ich sehr entspannt geblieben.
Was mir einst den Hals fast bricht,
das juckt mich heute wirklich nicht.

Frei, vor fremden Menschen reden,
ist bestimmt nicht was für jeden,
doch für mich - seit jenem Tag,
als ich begann - was, das ich mag.

Die Location war perfekt,
urgemütlich - und den Zweck,
erfüllte sie ganz wunderbar.
Im Herzen Leipzigs - alles klar.

Liebe Menschen sind gekommen,
haben sich die Zeit genommen,
zuzuhören - was ich schrieb.
Jeder Einzelne war mir lieb.

2 Stunden sind im Sturm verflogen,
ich fühlte mich - ganz ungelogen,
als sollt es so für immer sein.
Bin infiziert von jenem Keim.

Wenn der Hörer nachher spricht,
er sei ergriffen - flasht das mich.
Wenn er sagt, ein Film läuft ab,
freut mich das - und nicht zu knapp.

Vielleicht ist das ja auch der Sinn,
des Erzählens - ich nehm's hin.
Wenn's Gegenüber mir erklärt,
er sei begeistert - dann hat's Wert.

Verzeiht mir, dass ich's rausposaune,
der Abend klingt noch nach - ich staune.
Ich würde es - jetzt nur nicht lachen,
heut am Tage wieder machen.

Dass man mir abnimmt, was ersonnen,
vielleicht verrückt - und auch versponnen,
begreife ich - mit jedem Tag,
ein wenig mehr - oh, wie ich's mag.

Dank für die Chance, die ich grad hatte,
für den Auftritt - nicht im Schatten,
sondern fröhlich - dort, im Licht.
Leute, Ihr begeistert mich.

Den Spruch, den Ihr gen Ende sagt,
es sei für Euch ein toller Tag,
ein Erlebnis dort gewesen....
Ich würde immer wieder lesen.   19.03.2016
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Das Kind im Manne

Nun fand das Kind im Manne Frieden.
Es hat sich gerade just entschieden.
Es schickte seine Meldung ab.
Kurz vor Ende – kurz vor knapp.

Ich hab ihn in die Post gegeben,
und sollt der Brief es überleben,
bin ich im Märzen mit vor Ort.
Im fernen Leipzig – lese dort.

Ich füllte Formulare aus,
ich unterschrieb sie – Weh und Graus,
steckte sie in das Kuvert…
Ne Marke drauf – das fiel nicht schwer.

Ich stellt das Überlegen ein.
Das Hirn geleert – so muss das sein,
dann legte ich den Umschlag hin,
ihn zu Versenden – macht das Sinn?

Ehe ich mich recht versah,
war das Briefchen nicht mehr da.
Befindet sich – ganz heimlich, leise,
jetzt schon auf der großen Reise.

Ich hab da etwas losgetreten.
Was jetzt noch hilft? – Ein wenig Beten?
Auf dass der Brief den Weg verfehlt…
Das ist die Hoffnung – die nun zählt.

Doch falls die Deutsche Post nun siegt,
der Brief auf einem Schreibtisch liegt,
dann steh ich bald schon – Junge, Junge,
im Katalog – das klingt gelungen.

In Leipzig – auf der Büchermesse,
findet Ihr in übler Blässe,
unter vielen – plötzlich mich.
In großen Hallen – nah am Licht.

Und jagt man mich – mit Schimpf und Schande,
nicht spontan in alle Lande,
dann bleibe ich – diverse Tage.
Ich freue mich – wohl keine Frage.

Doch dass die Pumpe hektisch klopft,
und dass ich etwas wirr im Kopf,
das sehe man mir bitte sehr,
ein wenig nach – mir fällt´s wohl schwer.

Die Liebste, sie wird mich begleiten,
und daher will ich nicht bestreiten,
dass ich mich schnell verpieseln kann,
kommt jemand auf mich zu – oh Mann.

Dann schicke ich mein Herzblatt vor,
mich zu vertreten – bin ganz Ohr,
und lausche heimlich im Verstecke,
auf dass mich niemand dort entdecke.  06.11.2015
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Soll ich oder soll ich nicht

Wenn mein Schatten dünner wär,
fiel es mir nur halb so schwer,
zu springen - mit nur einem Sprung.
Schließlich bin ich nicht mehr jung.

Ich habe den Termin im Blick.
Noch ist er weit - ein ganzes Stück,
jedoch mal endlich Ja zu sagen,
das muss JETZT sein - keine Fragen.

Das Superduper-Angebot,
es läuft bald ab - das macht mir Not.
Ich würde gerne - hier im Hafen,
noch mehr als dreimal drüber schlafen.

Soll ich denn nach Leipzig reisen?
Ich müsste mir schon selbst beweisen,
dass ich dann - an diesem Ort,
gut aufgehoben wär - aufs Wort.

Gut aufgehoben für die Worte,
aufgeschrieben - von der Sorte:
Sie ergeben Satz - auch Sinn?
Ich weiß nicht, ob ich sicher bin.

Zwei mal zwei - Quadrat und Meter.
Überlegen? - Könnt ich später.
Doch muss ich die Entscheidung treffen.
Bald, schon bald - und nicht vergessen.

Die Messe - und auch "Leipzig liest",
gibt's im Frühjahr - fühl mich mies,
weil ich halt noch immer nicht,
sicher bin - ich kleines Licht.

Soll ich meine Werke zeigen?
Soll ich besser stille schweigen?
Soll ich mich dorthin begeben?
Man lebt halt nur ein einzig Leben.

Was man heut am Tag nicht macht,
was dich nicht nach vorn gebracht,
das bleibt auch morgen dir verwehrt.
Das ist wohl möglich - und verkehrt.

Spontan ganz einfach unterschreiben,
und damit letztlich deutlich zeigen,
dass man stolz - klingt's auch nach Sünde,
auf sich selbst ist - wie ich finde.

Tja, was mache ich mir Sorgen?
Verschiebe einfach schnell auf morgen.
Das macht mir jetzt mein Herz ganz leicht.
Da habe ich schon was erreicht.

Und dennoch - tief in meinem Traum,
seh ich mich dort - na ja, mal schaun.
Einmal schlafe ich noch drüber...
Irgendwie ist mir's so lieber.   05.11.2015
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