Rhapsody in An(n)a-nas

Morgen – hey, das wird ein Spaß,
gibt es frische Ananas.
Im Dessert vermischt, versteckt.
Ich bin einfach hin und weg.

Nach Gottesdienst, der Kommunion,
winkt die Köstlichkeit mir schon.
Drum schreibe ich nun per Gedicht
Finger weg – komplett für mich!

Die Gäste, die jetzt meinen müssen,
sie treten meinen Wunsch mit Füßen,
denen sei hier klar gesagt:
Ihr werdet gar nicht erst gefragt.

Ich bitte unser Kind – die Anna,
<<Bitte portionier das Manna,
nur für mich – im fremden Raum.
Machst du das, so wär´s ein Traum.>>

Ob ich meine Tochter frage?
Meine Frau? - …was ich nicht wage…,
das kommt hier gar nicht in die Tüte.
Ich bin ich – na, meine Güte.

Einer hat hier stets das sagen.
Soll mal jemand es nur wagen,
seinen Löffel drin zu senken…
Ich warne! – Nicht mal daran denken!

Ich schließe mich ins Räumchen ein,
mit dem Dessert – dort ganz allein.
Mit einem großen Schlabberlätzchen.
Dort schnurre ich dann wie ein Kätzchen.

Ihr anderen habt dann Schokolade.
Was weiß ich? – An solchem Tage,
gibt’s bestimmt Dessert genug.
Doch nicht von meinem – seid recht klug.

Ich werde – darf ich es erwähnen,
mit Klauen, Nägeln und mit Zähnen,
es schützen… - sprich, Verteidigung.
Noch hab ich die Macht, den Schwung.

Zum Schluss, da greife ich die Schüssel.
Den Kopf hinein, mitsamt dem Rüssel.
So wird sie sorgsam ausgeschleckt.
Selbst der letzte Rest ist weg.

Am Ende ist´s Behältnis sauber.
Ich denke mir – und ja, ich glaube,
dann kann´s sofort zurück zum Schrank.
Ich bin satt – na, Gottseidank.

Also! – Das ist jetzt kein Spaß.
Lasst mir meine Ananas!
Ich kenn Familie, Freunde nicht,
gibt´s Tropenfrüchte – kühl und frisch.  22.04.17
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Veränderung

Eben noch mein Enkelkind,
das Mädchen, das mein Herz gewinnt,
sieht sie jetzt verändert aus.
Kein Kind, kein Mensch - nein, plötzlich Maus.

Große, lange Schnurrbarthaare,
ich weiß es und ich offenbare,
dass ich vermutlich - oder beide (?),
an Halluzinationen leide.

Große Ohren, Mäusenase,
ich merke grad, in jener Phase,
dass mich dieser Fakt verwirrt.
Veränderung? - Hab mich geirrt.

Denn ganz plötzlich - Fall auf Knall,
fällt mir ein, dass Karneval,
heute durch die Straßen tobt.
Drauf hab ich meine Frau gelobt.

Die unsere Anna fein geschminkt,
auf dass sie sammelt, schunkelt, singt,
Schokolade und Kammelle,
fängt und räubert - auf die Schnelle.

Die Veränderung, die ich sah,
bedeutet daher nicht Gefahr,
sondern ist im Rheinlandtal,
ganz gewöhnlich - ganz normal.

Das Kind, nicht wirklich Maus geworden,
steht gleich mit Besucherhorden,
am Zugweg, bei Musik, nicht Stille.
Eine Maus - und zwar mit Brille.   26.02.17
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Messer und Gabel

Die Mami, die die Gabel hält,
säbelt rum, wie´s ihr gefällt,
am Stückchen Fleisch auf ihrem Teller…
Gut gestückelt geht´s halt schneller.

Auf dass – na, dort im Restaurant,
Enrico besser speisen kann.
Vorbereitet – klar, ist´s besser.
Wozu schuf der Herr das Messer?

Dudi sagt, wer wagt gewinnt.
Achtsam schaut dabei das Kind,
und meint ganz plötzlich frei heraus,
fürs Huhn sei es fürwahr ein Graus.

<<Wie gut, dass es>> – gut überleget,
<<das Zeitliche schon längst gesegnet.>>
<<Es könnt>>, spricht Anna, <<sonst ja leicht,
aufstehen – sagen, dass es reicht.>>

Und wieder mal – zu später Stund,
tut ein Kind die Wahrheit kund.
Meine Tochter ist brutal,
wusst ich´s doch – oh, allemal.

Jetzt habe ich – bring´s zu Papier,
wieder einmal Angst vor ihr.
Der Tag wird kommen – ob´s gefällt,
an dem sie mir das Messer hält.

Ich würdige sie bangen Blickes,
krampfhaft schluckend hüpft der Schlickes.
Ich bin, das soll wohl auch so sein,
dauerhaft ein armes Schwein.

Dass Anna-Kind nun Mitleid zeigt,
mit diesem Huhn, das gibt ein Like.
Auch wenn´s sich´s tummelt in Panade,
ist ums Federvieh es schade.

Das Kind, es hat spontan erkannt,
Mitleid ist ein hehres Pfand.
Auch wenn das Tier im Teller liegt,
ist es Gefühl, das hier nun siegt.

Sage jemand, was er will,
das Kind beäugt konkret und still,
was die Mutter – schräg gedacht,
mit dem Besteck bei Tage macht.

Dies ist ein Beispiel, exemplarisch.
Wird das Kind wohl vegetarisch?
Keine Ahnung – ach, woher.
Und falls doch – wiegt´s auch nicht schwer.

Nur ich – ich lass jetzt Vorsicht walten.
Bald schon zähl ich zu den Alten.
Wenn Dudi dann zum Messer greift…
Oh, mein Gott – but this is life.   10.02.17
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Ein Gedicht

Glaubt es - oder glaubt es nicht:
Anna schickt uns ein Gedicht,
das das Kind - ganz fröhlich frei,
ins Mikro spricht - ...ist nichts dabei?

Da seid Ihr auf dem Weg aus Holz.
Seid Banausen - tja, was soll's.
Ich hingegen zeig Geschmack,
bin von echtem Stolz gepackt.

Auch wenn das Kind nicht selbst schon reimt,
so spüre ich - der Samen keimt.
Und so reimt in Bälde sie,
frisch und emsig - fix wie nie.

Jetzt noch waren's fremde Worte.
Nur ein Anfang aus der Sorte:
Das ist die Schulzeit, die mich prägt.
Für Spaß am Wort ist's nie zu spät.

Im Hinblick - tja auf die Talente,
gehe ich wohl einst in Rente.
Da ist es gut, wenn's Nachwuchs gibt.
Noch dazu - den man auch liebt.

Dereinst - es wär nicht überraschend,
steckt das Kind mich in die Tasche.
Schreibt Reime, Bücher - ...sonst noch was?
Im Moment macht's mir noch Spaß.

Ihr bekommt's bestimmt beizeiten,
um die Ohren - von zwei Seiten.
Von mir - und dann aus Rheinland-Pfalz.
Ich merke schon - Euch schnürt's den Hals.

Soll sie lernen, was sie will.
Mathe, Bio - klar, auch Müll.
Hauptsache - ich bin so frei:
Der Spaß am Wort sei mit dabei.

Mal schauen, was demnächst so kommt.
Ich falte meine Hände fromm,
und warte mal ganz einfach ab.
Bin stolz auf Anna - nicht zu knapp.   08.10.2015
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Ähnlichkeit

Das arme Kind - es tut mir leid.
Man sagt ihr nach, die Ähnlichkeit,
mit mir - sie sei frappierend groß.
Die arme Anna - welch ein Los.

Ehrlich? - Hm, ich seh das nicht.
Entdecke zweimal ein Gesicht,
prüfe hier - und prüfe da...
Ist, was man spricht - tatsächlich wahr?

Vielleicht hat - denk ich mir, in Stille,
wer´s sieht - nen Knick, in der Pupille.
Jedoch, inzwischen - sind´s schon vier...
Ganz elend - blümerant - wird mir.

Noch erkennt das Enkelkind,
noch nicht die Tragik - ist noch blind,
für das, was ihr einst widerfährt.
So wird das Dasein - arg erschwert.

Denn mein Gesicht - das ihres ist,
hat ein Problem - und das gewiss:
Man hält´s nur aus - im dunklen Raum.
Mein armes Kind - ein Alp, ein Traum.

Noch hab ich Hoffnung - dass die Gene,
sich noch verändern - hin, ins Schöne.
Noch hat das Kind - das ist gewiss,
noch jede Chance - es ist, wie´s ist.

Noch sieht sie völlig niedlich drein,
(das tat auch ich - ich war noch klein).
Doch schaut mich bitte heute an,
und sagt mir - wer´s ertragen kann.

Manchmal seh ich die Kollegen,
sich erschüttert fortbewegen,
und auch die Liebste - wie soll´s sein,
schaut manchmal - leicht gequält herein.

Gene, die mir innewohnen,
interessiert es nicht die Bohne,
was und wie und wo sie sind...
Jetzt bei Anna - armes Kind.

Schaut´s Euch an - ich schlucke schwer.
Sagt mir bitte - bitte, sehr,
dass die Freundin - und die Frau,
sich irren - ja, das wäre schlau.

Auch wenn das Kind - vielleicht ja dann,
im Alter - auch noch schreiben kann,
wär mein Gesicht - ein Handicap.
Ich merk´s ja selber - ist nicht nett.

Liebe Anna - bleib jetzt friedlich.
Du bist noch klein - und auch noch niedlich.
Und hübsch und niedlich - wirst Du bleiben.
Wir werden´s der Natur - schon zeigen.  04.05.2015
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Spucke

Mit Geduld – und etwas Spucke,
fängt man nicht nur eine Mucke.
Nein – auch um das Kind zu putzen,
ist der Speichel – sehr zu Nutze.

Ich erzählte – gerade, eben,
dass ich in meinem jüngeren Leben,
oftmals so „gewaschen“ ward.
Mein Leben war gewiss sehr hart.

Da hörte ich ein leises Raunen,
und vernahm – nicht wirklich staunend,
dass es anderen – welch ein Ding,
in Kinderzeit – wohl ähnlich ging.

Hier ein Klecks – dort Schokolade,
und als Schmierfink die Panade,
aus gezüchtet bestem Dreck…
Die Mutter wischt es einfach weg.

Sich zu wehren – war vergeblich,
und auch das Flüchten – manchmal geht´s nicht.
Ja, so ließ man´s Gottbefohlen,
über sich ergehen – verstohlen…

Verstohlen? – Nein! Das wirklich nicht.
Die Mutter tat´s bei hellstem Licht.
Und sogar – nein, welch ein Wahn,
öffentlich – in einer Bahn.

Ich sah mich um – ich schämte mich,
mit ihrem Speichel – neu und frisch,
wischte sie mir – von der Backe,
einen Flecken – so ne Kacke.

Ich sah mich um – und ich begriff,
dass nicht nur sie zum Tuche griff.
Nein, in der ganzen Straßenbahn,
folgten Mütter diesem Wahn.

Rubbelten und spuckten, wischten:
Söhne, Töchter, Neffen, Nichten,
Väter, Mütter – notfalls auch,
den Kaffeefleck – an Schaffners Bauch.

Ein dreifach Hoch – erhobene Hand,
dem Mann, der Sagrotan erfand,
dazu das Tempo – aus Papier,
sonst wäre ich wohl heut nicht hier.

Irgendwann – mit all dem Schmutz,
überraschend weggeputzt.
Irgendwann – und Ihr wärt froh,
doch früher – ja, da war das so.

Ob heute auch noch? – Werd drauf achten!
Vielleicht ja heimlich – still im Garten,
tun Mütter – was sie machen müssen.
Ohje, oh Gott – ich will´s nicht wissen. 12.06.2013
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Märchen

Heut Morgen - kurz schon vorm April,
dachte ich, mein Herz steht still,
als ich auf die Dächer sah:
Weiß gepudert - alles klar!

Die Autos weiß - der Weg, der Hof,
irgendwie - fand ich das doof,
und verstehe jetzt letztendlich,
weshalb das Kind sprach, ich sei schändlich.

Erzählte ihr von kurzen Hosen,
von Osternestern bei den Rosen.
Sie meinte drauf: "Ja klar, wie Klärchen.
Alter Mann - erzähl nicht Märchen."

Erzählte ihr von Eis am Stiel,
von Sonne pur - und davon viel,
von Flüssigkeit am Kopf, der Hand,
früher nur - der Schweiß genannt.

Von Ferien hab ich berichtet,
vom warmen Wetter - nicht erdichtet,
vom Frühling und vom Fahrradfahren,
als wir kleine Kinder waren.

Von kurzen Hemden, Lederhosen,
vom ständig trinken - nicht aus Dosen.
Nein, Zuhaus am Wasserschlauch,
nicht gefroren - das gab's auch.

Vom träumend in der Sonne braten,
von all den jecken, dummen Taten,
die man halt als Kind so tut,
im Frühling - voller Übermut.

Mit ohne Heizung nicht erfrieren,
von offenen Fenstern, offenen Türen,
von Blumen - bunt im grünen Gras...
Sie schaut mich an: "Gibt's sonst noch was?

Kleine Kinder so zu necken,
sie mit Vergangenem zu erschrecken,
das zeugt - wenn wir mal ehrlich sind,
vor wenig Achtung - vor dem Kind."

Ich solle bitte - das wär schön,
besonnen einmal in mich gehen,
und überlegen - wer ich bin,
ganz sicher nicht - der Bruder Grimm.

Vielleicht läg es - hält sie zugute,
auch dran, dass ich - verkehrt - vermute,
mein Hirn, es sei noch Up to date,
denn das, was es als wahr versteht...

... das sei nur die Vergangenheit,
ich phantasiere - tut mir leid.
Der Frühling, die Erinnerung,
ist lang schon her - da war ich jung.  29.03.2013
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Verbannung


Und wieder muss ich ins Asyl,
Gründe dafür, gibt's so viel:
Mal bin ich nicht genügend brav,
dann schnarche ich zu laut - im Schlaf.

Mal gab ich ihr ein Widerwort,
mal reagier ich nicht sofort,
mal hör ich nicht - und zwar angeblich,
ein jeder Einwand wär vergeblich.

Mal schreie ich zu laut beim Tor,
ein andermal, wenn man verlor,
und ich nur knurre - nach dem Spiel,
ist das ein Grund - für mein Asyl.

Mal häng die Jacke ich ins Zimmer,
(Manchmal ja - nicht wirklich immer),
mal zieh ich nicht die Schuhe aus,
und latsch den Schmutz - durchs ganze Haus.

Mal sorge ich für schlechten Ruf,
mal verbreit ich schlechten Duft,
mal schlafe ich beim Fernsehen ein,
das alles - können Gründe sein.

"Was, du willst zum Auswärtsspiel?"
Ihr Blick, er deutet zum Asyl.
"Wie? Schon wieder Musical?
Ab ins Asyl - Zack Zack, und schnell!"

Jedoch den Grund - den grad von heute,
nun, den versteh ich - liebe Leute:
Zu Besuch - das Enkelkind.
Da räume ich mein Bett doch blind.

Auch wenn Ihr nun verwundert stockt,
der Widerspruch zum Aufstand lockt,
so werft mir nicht die Lüge vor:
Statt Strohsack stieg ich steil empor.

Die Kälte hat die Frau gereut,
irgendwo tat ich ihr leid,
stattdessen durft ich - ach, wie nett,
ausnahmsweise mal ins Bett.

In dem nun unsere Anna liegt,
die Müdigkeit hat sie besiegt,
und mich in mein Asyl vertrieben,
Leute, sowas nennt man - Liebe.

Sie schläft in meines Bettes Wogen,
und ich - ich ruhe, ungelogen,
selbst heute nicht im Kellerraum,
das ist schön - das ist ein Traum.

Zwei Nächte bin ich ausquartiert,
und ich ward schon instruiert,
das sei nicht das letzte mal,
doch Anna darf das - ganz egal.   22.02.2013
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Spion

Hat man im eigenen Heim Spione
ist das letztlich gar nicht ohne,
denn man(n) wird jetzt überwacht,
streng - bei Tag, und auch bei Nacht.

Freiheit, die ich früher sah,
(wenn ich nicht grad im Keller war),
die ist mit einem Mal dahin,
kein Wunder - dass ich traurig bin.

Die Liebste, die mich überwacht,
hat sich jetzt bei sich gedacht:
"Warum nur mach ich das allein,
der Nachwuchs wächst - noch ist er klein."

Doch da sie unser Enkelkind,
oft in ihre Obhut nimmt,
ist's kein Wunder, dass das färbt,
und Anna Omas Standpunkt erbt.

Ich stelle mir das schaudernd vor,
die Liebste - und das Kind im Chor:
"Dies und jenes darfst du nicht.
Versuch es nur - du wirst erwischt."

Bis heute hab ich's nicht geglaubt,
nun fühle ich mich jäh beraubt,
der Freiheit - die ich mir ermalt,
(gab's sie auch nie - das ist egal).

Denn eben sprach der Schwiegersohn,
belustigt und mit leichtem Hohn,
dass Anna grad ein Foto fand,
und das bewertet sie gebannt:

"Papa, das ist Opa - Yeah!
Jedoch nicht Oma - aber... Wer?"
So stand sie fragend - dort im Raum,
und die Erklärung - rührt sie kaum.

Das war die liebe Claudia,
die sie mit mir per Foto sah,
vom letzten Urlaub - fern in Kiel,
freundschaftlich und mit Gefühl.

Doch meine Frau - sie war entzückt,
hat das Kind geherzt, gedrückt,
und meinte nur - jetzt sei ich reif,
da die Erziehung nunmehr greift.

Egal, was ich auch immer tu,
"The Big Boss is wachting you",
und der kleine Boss nun auch,
das hätt's wirklich nicht gebraucht.

Spione stehen an jeder Ecke,
egal, wo ich mich auch verstecke,
ich fühle mich stets überwacht,
sogar im Keller - in der Nacht.    29.07.2012
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4 gewinnt

Das Enkelkind - es spricht nun - endlich,
und ich zeig mich gern erkenntlich,
indem ich meine Ohren schütze,
mit Sprachflut macht man keine Witze.

Erst mal sprach die Liebste nur,
dann folgte Tochterkind der Spur,
danach das weiblich Schwiegerkind,
nun ist's soweit - dass 4 gewinnt.

Ich mein, ich seh die Wörter wabern,
wenn sie alle haltlos labern,
ein stetig Summen - klingt im Ohr,
das kam mir fast schon Spanisch vor.

Ich ging zum Arzt - und klagt mein Leid,
zur Diagnose schon bereit,
dass mein Gehör - so nebenbei,
wahrscheinlich nicht zu retten sei.

Hammer, Amboss und der Bügel,
Trommelfell - hätt man geschwiegen,
hätte es noch lang gereicht,
doch dies verhindert Sprache leicht.

Tag für Tag dies Trommelfeuer,
dadurch wird's Gehör nicht neuer,
und ich bekomm - oh je, mich friert,
Gehörtes nicht mehr leicht sortiert.

So lege ich's für später ab,
wenn ich Ruhe, Muße hab,
wenn man nicht von vier Seiten spricht,
das ist für mich das reinste Gift.

Nun auch noch das Enkelkind,
ich sagte schon - dass 4 gewinnt,
wie soll ich das - darf ich das sagen?
Die nächsten Jahre - denn ertragen.

Der Arzt verschrieb mir Oropax,
im Notfall tät's auch Bienenwachs,
tief, ganz tief ins Ohr gestopft,
das schont das Ohr - und auch den Kopf.

Er meint zu mir, er kenne das,
vier Weiber - hm, das sei schon krass,
ich soll's versuchen - das bringt Glück,
mit dem Berieseln von Musik.

Dann halte - und dies sei das wahre,
mein Gehör noch dreißig Jahre,
die Ressourcen gilt’s zu schonen,
denn das Leben soll sich lohnen.

Doch trotzdem - wenn auch niemand fragt,
auch wenn's Quartett mich mächtig plagt,
ich freu mich - dass die Kleine spricht,
doch Euch das sagen - werd ich nicht.    14.07.2012
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Brille

Mein vordergründig größter Wille,
ist ein Enkelkind - mit Brille,
das mit Durchblick - oder fast,
in unsere Sippe bestens passt.

Wir sind der Club der blinden Schleichen,
und wird die Sehkraft leise weichen,
gibt es - dies seit Jahren schon,
ein Nasenfahrrad - Ton in Ton.

Ohne Brille muss ich tasten,
mal zur Freude - mal zu Lasten,
ohne Brille seh ich nichts,
eingeschränktes Augenlicht.

Meiner Liebsten geht es ähnlich,
diesen Fakt - nun, den erwähn ich,
ebenso dem Tochterkind,
und auch der Sohn ist eher blind.

Die Schwiegerkinder - das ist fein,
reihen sich dort gerne ein,
sie erkennt man fix und schnell,
ebenso an dem Gestell.

Grad heute ward das Kleinkind 4,
und - ich kann doch nichts dafür,
auch sie ward jetzt - das ist nicht schwer,
zur Freude jedes - Optik-er.

Die Brille, sie hat smarten Chic,
sorgt für einen klaren Blick,
sofern sie auf der Nase weilt,
und nicht das Schicksal sie ereilt.

Im Kindergarten abgelegt,
nicht dran gedacht - vielleicht zu spät,
zur Busfahrt grad ad hoc verloren,
nicht auf der Nase - auf den Ohren.

Fingerspuren auf den Gläsern,
und beim Spielen in den Gräsern,
lästig, ständig, stets bewusst:
Brille tragen? - Keine Lust!

Doch irgendwie und irgendwann,
nimmt man dieses Manko an,
und ist man älter - so wie ich,
wird sie ohnehin zur Pflicht.

Die Anna wird - auf alle Fälle,
sich dran gewöhnen - auf die Schnelle,
ist außerdem noch hübsch dazu,
so passt sie glatt - zu unserer Crew.

Bin zwar nicht hübsch - doch Brillenträger,
und sie - sie ist ein flotter Feger,
die heute am Geburtstags-Tag,
die Brille - gerne tragen mag.     13.06.2012
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Xanthippe

Am Abend, nach des Tages Hetze,
wenn ich mich in den Lehnstuhl setze,
liebe ich's, wenn niemand drängt,
wenn Ruhe mich ganz sanft umfängt.

Ich lehn zurück, entspanne mich,
lösche gern das helle Licht,
genieße in der Dunkelheit,
die mir geschenkte, freie Zeit.

Niemand da, die mich dort stört,
und falls doch - wird weggehört.
Drei Frauen hab ich schon Zuhause,
die schrateln ohne jede Pause.

Der Herr, er schuf aus Adams Rippe,
das Weib an sich - doch auch Xanthippe.
Wie schon erwähnt - drei hab ich hier,
jetzt scheint es so - als sind's bald vier.

Denn auch das Kleinkind hat entdeckt,
dass ihr der Reiz der Sprache schmeckt,
und lernt nun täglich - wie im Nu,
den halben Duden frisch dazu.

Oh, wie fürchte ich den Tag,
an dem sie nicht mehr schweigen mag,
an dem sie - den Juristen gleich,
mich wortreich in die Schranken weist.

An dem das Mundwerk nicht mehr steht,
von morgens früh - bis ganz schön spät,
bis ich - Ihr müsst das wohl verstehen,
strahlend hin zum Strohsack gehe.

Erst noch Wörter - bald schon Sätze,
zu viel Sprache kann verletzen,
wenn sie sich in den Ohren staut,
merkt Ihr schon - wie es mich graut?

Einem kleinen Raubtier gleich,
nimmt sie Peilung - und mir deucht,
sie hat gesammelt - noch und nöcher,
mein Trommelfell - bald hat es Löcher.

Stellt Euch vor - das klingt nicht fremd,
das Kind, es erbt gar mein "Talent",
wie schnell bin ich dann wohl verloren,
haut sie mir Reime um die Ohren.

Doch ich bin schlau - hab vorgesorgt,
mir ein Schälchen Wachs geborgt,
das sitzt jetzt tief, so wie ein Pfropf,
links und rechts in meinem Kopf.

Sokrates hat die Xanthippe,
und mir - mir droht die Quasselstrippe,
vor Worten schwirrt mir schon das Haupt,
der Ruhe jäh und bald beraubt.     05.03.2012
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Einspeisen

Gestern gab es mit der Post,
die Stromabrechnung – und mein „Boss“,
meinte blass, die tue weh,
doch habe sie – schon DIE Idee.

Ich meinte „Bravo“ – ganz lakonisch,
da sprach sie knapp: „Werd nur nicht komisch.
Wer braucht des Nachts im Keller Licht?
Das bist doch du – bestimmt nicht ich!“

Mein Einwand, dort gäb´s keinen Strom…,
wen interessiert mein Reden schon?
Ich mache Licht – dort an der Wand,
mit Talg, den ich am Schlachthof fand.

Egal – wie es auch immer ist,
meine Liebste hat den Biss,
und schenkte mir am Abend schon,
ein Paket – von amazon.

Mit netten Schleifen fein verhüllt,
welch Geschenk – welches schönes Bild,
ich packte aus – der Freude Saat,
und fand darin – ein Hamsterrad.

Riesengroß – im Eigenbau,
und eines sah ich ganz genau:
Selbst ich, ich hätte Platz darin,
plötzlich machte alles Sinn.

Das Kabel, das dort hinten ragt,
die Liebste, die mir ungefragt,
den Weg zum feuchten Keller weist:
„Liebster – dort läufst du im Kreis.

Die Zeit, im Keller abzuhängen,
den süßen Alltag zu verdrängen,
die ist ab heute jäh vorbei,
du strampelst dort – von 8 bis 2.

Weihnachten – so steht´s geschrieben,
wird unterm grünen Baum entschieden,
und damit der fröhlich brennt,
erwarte ich, dass du dort rennst.

Den Rest, den speisen wir ins Netz,
das Motto „Sparen“ gilt ab jetzt,
und wehe, wenn die Leistung schwankt,
ich ziehe dir die Ohren lang!“

Seitdem sitz ich – dem Hamster gleich,
im – von ihr geschaffenen Reich,
strampele so wie´s ihr gefällt,
hab keinen Mut – war nie ein Held.

Doch was ist – spür Angst im Bauch,
wenn demnächst kein Schornstein raucht,
weil der Gaspreis ständig steigt….?!
Ob sie mir dann – die Bohnen zeigt?   15.12.2011
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Nikolaus_2011

Morgen kommt der Nikolaus,
Leute, stellt die Schuhe raus,
und falls ich selbst mich jetzt nicht spute,
gibt’s für mich erneut – die Rute.

The same procedure – every year:
Die Liebste steht so groß vor mir,
mit dem roten Buch aus Samt,
was darin steht – ist mir bekannt.

Sie fragt mich ernst nach nem Gedicht,
ich überlege – weiß es nicht,
ich stottere, ich leide, stammel,
oh mein Gott – ich hab so Bammel.

Und dann – dann fängt sie an zu lesen,
ich ahne es, das ist´s gewesen,
ich halte mir die Ohren zu,
und schau betreten auf die Schuh.

Ich kann mir denken, was da steht,
weiß genau, worum es geht:
Ich lass mein Herzblatt – so wird’s sein,
dank des Bocks zu oft allein.

Hab ich den Müll wohl rausgebracht?
Ich meine schon – erst letzte Nacht.
Und räumte ich die Spülmaschine?
Ich bekomm – was ich verdiene.

Der Schweiß bricht aus – ich schwitze, friere,
und ich hyperventiliere,
ich riskiere einen Blick,
ich fühl mich schuldig – und bedrückt.

Mich verlässt der letzte Mut,
ich meine fast – es riecht nicht gut,
ich glaub, ich werde nimmer froh,
das war bei mir – als Kind schon so.

Da stößt die Liebst mich kurz an:
„Die Augen auf – jetzt bist du dran,
du hast die Schuhe fein poliert,
gerade so – wie´s sich gebührt.

Du warst das ganze Jahr recht brav,
ich hab dich überwacht – im Schlaf,
so steht in meinem roten Buch,
für die Rute – nicht genug.

Daher gibt’s für dich Schokolade,
finde ich´s auch reichlich schade,
aber teil sie dir gut ein,
ein Riegelchen – mehr muss nicht sein.“

Ich atme auf – ich könnt sie küssen,
endlich nicht mehr zittern müssen,
jetzt habe ich – ich bin bereit,
bis nächstes Jahr – noch so viel Zeit.   05.12.2011
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Der kleine Medizinmann

Manchmal – das weiß ich sehr wohl,
bin ich – sozusagen – hohl,
doch manchmal weiß ich auch bestimmt,
was man(n) mit auf Reisen nimmt.

Da wär erstens, beispielsweise,
die Apotheke für die Reise,
sowie das dick gebundene Werk,
„Der kleine Hausarzt“ – wohlgemerkt.

Dazu noch sauberes Tuch aus Leinen,
überflüssig, mag man meinen,
doch nicht, wenn man, wie´s mir bald blüht,
mit Schwangeren der Wege zieht.

Ein Bottich Wasser – hoch erhitzt,
verfrachtet auf den hinteren Sitz,
denn die Sorge wird sehr groß,
geht’s bei mir im Wagen los.

Fast 300 Kilometer,
machen mich vielleicht zum Täter,
bin angespannt, oh, ganz gewiss,
auch wenn´s der 7. Monat ist.

Betrachte sie mit Argusaugen,
meint Ihr auch, dass ich nichts tauge,
so las ich mich schon bestens ein,
ich will perfekt gerüstet sein.

Ein Blaulicht hab ich schon geklaut,
mir war nicht wohl in meiner Haut,
das kommt dann oben drauf, aufs Dach,
so ähnlich hab ich´s mir gedacht.

Atemtechnik kenn ich doch,
zwar lang schon her – ich weiß es noch,
ich hechele mal grad auf Probe,
und mag mich fast schon selber loben.

Für meine Weitsicht, den Elan,
gibt’s ein Problem? Ich zieh den Zahn!
So sorge Dich nicht, Claudia,
wenn es losgeht – bin ich da.

Und sollt ich etwas hektisch scheinen,
mach Dir nichts draus, Du musst nicht meinen,
ich mache das zum ersten Mal,
Du hast ja schließlich keine Wahl.

Die Liebste, sie erinnert sich,
besser ging es ohne mich,
doch keine Angst vor meinem Eifer,
heute bin ich einfach reifer.

Wo hab ich die Gedanken nur?
Die Schere für die Nabelschnur,
gehört dazu – mit scharfem Schliff,
bleib ruhig – ich habe das im Griff.      09.09.2011
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Randale

Schön ist es, zu renovieren,
und zu sehen, und zu spüren,
wie das Alte neu ersteht,
an jedem Punkte, wo das geht.

Man ist stolz, man ist zufrieden,
und hofft dabei, dass seine Lieben,
das ebenso mit Freude sehn...,
wär das so - so wär das schön.

Denn unser Sohn hat eine Frau,
aus der werd ich seit heut nicht schlau,
weil sie still in letzter Nacht,
unser Haus zu Kleinholz macht.

Karatemäßig und behände,
sprang sie gegen unsere Wände,
behauptet dann, das sei im Schlaf,
und ansonsten - sei sie brav.

Sie habe nur mal schlecht geträumt,
und den rechten Punkt versäumt,
um beizeiten zu erwachen,
dann passierten solche Sachen.

Sie sprang - als starke Frau der Tat,
an die Wand - fast im Spagat,
ich hörte es, im frühen Schein,
und rief verwundert, laut: "Herein".

Ich ging zum Tor - wo niemand stand,
da sah ich's Loch schon in der Wand,
und ihren Fuß, der früh am Tag,
weit aus dem Fiasko ragt.

Na Klasse, denk ich, welch ne Schau,
das ist wohl dieser Frust am Bau,
von dem die halbe Welt oft spricht....,
da seh ich plötzlich ihr Gesicht.

Verwundert - und mit Unschuldsmiene,
blinzelt sie aus der Ruine,
zuckt die Schultern und erklärt,
der Traum sei diesen Schaden wert.

So reichte ich ihr stumm die Kelle,
und den Zement, dass auf die Schnelle,
das Bruchstück fix geschlossen sei,
heut Abend strahlt´s schon fast wie neu.

Doch werd ich nun, an allen Tagen,
nicht mehr sehr viel Ruhe haben,
zuck bei jedem Schlag zusammen,
auf meiner Seele tiefe Schrammen.

War die Randale denn bewusst,
das, bitte, hätt ich gern gewusst,
ich bange um das Haus, mein Heim,
ich mag nicht - ohne Obdach sein.        02.06.2011
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Stimmen

Vor Wochen habe ich entdeckt,
wie gut der Reiz des Fernweh schmeckt,
und ständig wandert nun mein Blick,
zum WWW – das ist verrückt.

Dort spricht man mir von einer Reise,
und in mir klingt es schon ganz leise:
„Junge, wage diesen Schritt,
da musst du diesmal einfach mit.“

Ich weiß, ich höre manchmal Stimmen,
manche meinen auch – ich spinne,
doch ist das Stimmchen mal erwacht,
bekomm ich´s nicht mehr ausgemacht.

Nun wispert es von weiter Welt,
Konzerten unterm Sternenzelt,
von Sonne, Sand und Meer, Musik,
einfach nur vom puren Glück.

Ich weiß fast alles – könnte ziehn,
was uns nur fehlt, ist der Termin,
doch heute ist der Tag nun da,
vielleicht wird jetzt die Sehnsucht wahr.

Vielleicht sag ich, der Zeitpunkt passt,
auf meinem Herzen drückt die Last,
und während noch mein Auge schaut,
wird das Stimmchen langsam laut.

Ich seh mich schon – das wird ein Fest,
sofern mich meine Liebste lässt,
mit ihr an einem fernen Strand,
doch ist die Hoffnung – noch wie Sand.

Musik, sie macht uns Gänsehaut,
egal ob leise – oder laut,
Musik, sie lässt uns einfach schweben,
Musik, die reine Lust am Leben.

Das Hoffnungs-Stimmchen wispert süß,
erzählt vom Gig im Paradies,
erzählt mir voller Macht und List,
von Tagen – die man nicht vergisst.

Ich hab versucht, es zu verwalten,
die Stimme einfach abzuschalten,
und hab es schließlich auch geschafft,
mein Gott – was habe ich doch Kraft.

Denn als ich schlief – da ging´s perfekt,
doch kaum hat mich der Tag geweckt,
war das Raunen wieder da,
stets aktiv – und stets mir nah.

Heut wag ich nun – und dies beizeiten,
den Blick in die ersehnten Weiten,
bin auf der Site der Dauergast,
und hoffe sehr – der Zeitpunkt passt.    02.06.2011
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Bügel-Blues again

Ich war gut drauf, die Sonne schien,
ein Tag, wie man ihn sich verdient,
im Frühling – kurz vorm Wochenend,
Hast und Kummer weit und fremd.

Das Tagwerk winkt kaum mit Problemen,
niemand war im Frust zu zähmen,
und von der Hand lief vieles glatt,
mein lieber Mann – dat is schon watt.

Da kam es mir kurz in den Sinn,
dass ich im Grunde glücklich bin,
und ich fragt mein Eheweib,
kurz nach ihrem Zeitvertreib.

Doch scheint´s, wenn man zu häufig lacht,
hat man nicht an den Wirt gedacht,
denn die Rechnung gab es prompt,
und dass so was von sowas kommt.

Die erste Nachricht fand kaum Hall,
das heißt zwar Warnung – klarer Fall,
jedoch, ich war im Überschwang,
und hielt – als ich noch konnt – nicht an.

Denn die Liebste hielt die Zügel,
stand am Brett und hat gebügelt,
und wie der Dampf dem Eisen flieht,
so dampft´s auch mir – das alte Lied.

Einem kurzen Warnschuss gleich,
kam die Meldung: „Freund, es reicht!“
… ich duckte mich, verkroch mich gar,
wär sie auch weit, bis Sansibar.

Doch sind´s nur wenig Kilometer,
das dicke Ende, es kommt später,
und wie weit ihr Schwinger reicht,
da gibt’s kein Maß – ich sag es Euch.

Seitdem fehlt mir – es ist kein Hohn,
vor lauter Angst – Konzentration,
und ich flüchte – ganz allein,
in mich selbst – in einen Reim.

Again sing ich den Bügel-Blues,
was sie auch sagt – na klar, ich tu´s,
denn nur so entgehe ich,
dem allerjüngsten Strafgericht.

Die Liebste jäh beim Bügeln stören,
dazu muss schon Mut gehören,
oder wie bei mir, grad heut,
tiefste Unverfrorenheit.

Zitternd heb ich meine Hände:
Birgt der Tag ein gutes Ende?
Oder war´s mein letzter Gruß?
Gitarrenklang zum leisen Blues.     19.05.2011
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Sitting Bull

Wird das Haar auch grau und schütter,
ist das im Grunde zwar sehr bitter,
und doch hab ich Berechtigung,
zum Kleinkind hüten – das hält jung.

Die Eltern sind heut auf der Rolle,
und meine Frau, das ist das tolle,
hütet mit mir froh das Kind,
wie gut, dass wir noch rüstig sind.

Mein Weib ist flott, ein schlankes Wesen,
auch ich bin das ja einst gewesen,
doch heut wölbt sich die Linie,
nichts mehr mit schlank wie Pinie.

Das Kind will tanzen – ich tanz mit,
breche ein, beim sechsten Schritt,
nicht mehr fit, noch powerful,
ich fühle mich – wie Sitting Bull.

Und sitze still, wie hin geweht,
dort wo das weiche Sofa steht,
streich den Schweiß aus meinem Skalp,
ich werde doch nicht etwa alt?

Ich winke mit der Friedenspfeife,
erzieh das Kind – das nennt man Reife,
der Kriegspfad ist mir lang verwehrt,
Sitting Bull ist viel zu schwer.

So stellt mich an den Marterpfahl,
drei Wochen lang – das wär egal,
macht trocken Brot ab jetzt zur Pflicht,
ein Indianer weint doch nicht.

Doch meine Squaw, dies holde Wesen,
schwingt im Haus nicht nur den Besen,
sondern spricht: „Am besten liegt man(n),
froh gelaunt in meinem Wigwam.“

Dort treibe sie das Jammern aus,
Midlife Crisis – welch ein Graus,
55 sei kein Alter,
Schluss und Ende, mein Gott Walter.

Dann schickt sie mich erneut zum Kind,
ich mühe mich – wer wagt, gewinnt,
und merke plötzlich, sprachlos, stumm,
Bewegung hält tatsächlich jung.

Das Kind hat Spaß, und ihm gefällt,
unsere durchgeknallte Welt,
wie gut, wenn sie noch formbar sind,
das ändert sich – oh, ganz bestimmt.

Und Sitting Bull verschwindet still,
ach ja – was ich noch sagen will:
Ich höre stets auf meine Frau,
sie ist weise – Punkt und Howgh!           16.10.2010
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Gummi

Ein ruhiger Mensch, perfekt gebaut,
niemals hektisch, niemals laut,
er kennt nur Eines: seine Pflicht,
das klingt sehr gut – doch bin´s nicht ich.

Bis gestern war ich noch umworben,
fast ein Heimchen, unverdorben,
doch kann der Frömmste, das soll´s geben,
nicht dauerhaft in Frieden leben.

In der Seele sind nun Kerben,
denn Wesen wollen mich verderben,
für die das nun das Höchste ist.
Schweiget still – Ich bin gewiss.

Da saß ich gestern, wie ein Spatz,
ganz fromm an meinem Arbeitsplatz,
und betete, im stillen Tanz,
grad eben mal den Rosenkranz.

Dann spülte ich – ich wahre Klasse,
den Mund mir mit geweihtem Wasser,
um zu bereuen, Blick zurück,
was mir so über Tag missglückt.

Niemals hätte ich gedacht,
an den Affront, die dunkle Nacht,
als Chefin sprach, ganz kurz und knapp:
„Nun ziehe jetzt den Gummi ab…“

Dann grinste sie mich schamlos an,
teuflisch, wie´s nur Eine kann,
die den Schalk im Nacken trägt,
und so an meiner Unschuld sägt.

Seit diesem Tag, in Teufels Namen,
brach mein Ego – das sind Dramen,
und ich bin heute – ach, wie wahr,
nicht der, der ich noch gestern war.

Egal, was immer sie auch meinte,
ich bin geschockt, mein Herz, es weinte,
Veränderung, oh, wie sie schmerzt,
ein Pfeil ins waid und wunde Herz.

Heute noch geh ich zur Beichte,
auf dass man mir Erlösung reiche,
und am besten, nein, kein Hohn,
beichte ich… im Stadion.

Dort kann ich meinen Frust beschreien,
die Seele meinem Geißbock weihen,
so wie weiland, Johann Faust,
hab ich sie schon lang verkauft.

Vergebung ist mir dort beschieden,
sicher find ich meinen Frieden,
dort bei himmlischem Gesang,
wie fast mein ganzes Leben lang.                  16.04.2010

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